Klangkunst im Prenzlauer Berg
Die singuhr – hoergalerie steht seit über vier Jahren für innovative Kunstprojekte in und um die beiden historischen Wasserspeicher in Berlin Prenzlauer Berg: „Kunst für Augen und Ohren“ lautet das Programm der Galerie. Audiovisuelle und raumbezogene Installationen sind zu erleben: Klangkunst im Speicher.
Die beiden der Öffentlichkeit lange verborgenen ehemaligen Wasserspeicher stehen im Zentrum der Ausstellungstätigkeit der singuhr – hoergalerie: Zwei mächtige unterirdische Backsteinbauten, labyrinthisch, kühl und trotz ihrer immensen Größe versteckt unter der Parkanlage am Wasserturm. Nicht für Menschen gebaut, nicht für die Kunst und nicht zum Verweilen gedacht, sondern errichtet zur Wasserversorgung der Stadt, bieten die denkmalgeschützten Gewölbe heute Raum für neue, spartenübergreifende Kunst. Die besondere Atmosphäre der Speicher, ihre spektakuläre Akustik, ihr ganz eigenes Raumklima, die beeindruckende Architektur der Backsteinmauern, aber auch ihre wechselvolle Geschichte sind bereits seit 2007 die Inspirationsquellen für Künstler aus aller Welt. Mit großem Erfolg entstehen hier Projekte, die für diesen Ort erdacht und hier auch umgesetzt werden. Sie haben gezeigt, wie man mit neuen Tönen und Klängen ein breites Publikum begeistern kann.
Zwei große Sommerausstellungen von Andreas Oldörp (D) und Paul Panhuysen (NL) sowie zwei studentische Gruppenarbeiten stehen auf dem Programm der Saison 2011. Zum Saisonauftakt präsentiert die singuhr – hoergalerie einen Klassiker: Die Raumkomposition „Rainforest IV“ des amerikanischen Komponisten David Tudor (1926-1996). Unter der Leitung des kanadischen Tudor-Spezialisten Matt Rogalsky wird das 1973 entstandene Stück im Rahmen eines Workshops von Studenten des skandinavischen Master-Studiengangs „Nordic Sound Art“ neu interpretiert. Gefundene, umfunktionierte oder konstruierte Objekte, wie z.B. Autotüren, Möbelstücke oder diverse Behälter, werden frei im Raum arrangiert – und klingen. Schallüberträger (Transducer) an den Objekten bringen die Fundstücke zum Tönen. Dabei entsteht ein üppiger, frei begehbarer „Regenwald“ aus Klängen für Dinge des alltäglichen Lebens. Eröffnet wurde „Rainforest IV“ am 26. Mai.Die Architektur des Großen Wasserspeichers und die Akustik seiner fünf konzentrischen Ringe sind die Ausgangspunkte für eine Klanginstallation, die Studierende der Computermusik an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien entwickeln. Der Titel ist Programm: „inferno ma non troppo – Klanginstallation in 5 Kreisen“ ist eine Arbeit, die den Wasserspeicher zum Schauplatz spektakulärer musikalisch-räumlicher Experimente macht – eine „Höllenfahrt“ in den Bauch eines Raumes, dessen Nachhallzeiten bis zu 20 Sekunden betragen. Mit elektroakustischem Raumklang, Klangbewegungen und feinen Klangschichtungen sowie im Zentrum klingenden Orgelpfeifen wird der labyrinthische Wasserspeicher zum klingenden Instrument. Die Eröffnung findet am 3. Juni um 19 Uhr statt.
Serviceinfo
David Tudor – Rainforest IV
Termin: 27.05.-19.06.2011
Öffnungszeiten: Mi-So 14-20 Uhr
Ort: Kleiner Wasserspeicher, Diedenhofer Straße, 10405 Berlin Stadtplan >>
inferno ma non troppo – Klanginstallation in 5 Kreisen
Termin: 04.06.-19.06.11
Öffnungszeiten: Mi-So 14-20 Uhr
Ort: Großer Wasserspeicher, Belforter Straße, 10405 Berlin Stadtplan >>
Fotos: © Roman März
