IN TRANSIT 11 – Spectator
Wie entsteht ein Publikum und wie funktioniert dieser Moment von Öffentlichkeit? Ist der „aktive“ Zuschauer das Ziel oder eröffnet die „passive“ Rolle ebenfalls eine Erfahrung von Freiheit, wenn auch eine andere? IN TRANSIT 11 – Spectator sucht nach Antworten und wirft neue Fragen auf.
Jens Hillje, der neue künstlerische Leiter des Performing Arts Festival, das seit 2002 zum Programm des Hauses der Kulturen der Welt gehört, deutet zusammen mit der Dramaturgin Irina Szodruch (Berlin) und dem Ko-Kurator Tang Fu Kuen (Bangkok, Singapur) das Haus zu einem Experimentierfeld um, in dem Künstler und Zuschauer jeweils Akteure und Beobachter zugleich sein können.
Die Performances bei IN TRANSIT 11 untersuchen die Politik des Sprechens und die Politik der Blicke – die beiden Seiten, die die Kommunikation einer Gesellschaft bestimmen. Wie soll man sprechen? Wer darf wem was sagen? Wie soll man sehen? Wer darf wen wie anschauen? Und welcher Blick macht wen zu was? Über diese Diskurse entsteht Definitionsmacht in der Öffentlichkeit, hier wird die Zuschreibung von Identitäten reguliert – und ins Spielen gebracht.
Drei starke Frauen eröffnen am 15. Juni IN TRANSIT 11. In einer theatralen Performance beschäftigt sich Angélica Liddell mit Shakespeares „Richard III.“ und befragt die Beziehung von Körpern und Macht, im Anschluss verführt Ann Liv Young als Meerjungfrau das Publikum. Der Auftakt des Abends aber gehört ganz Ming Wong und seiner starken Frau Bülent Ersoy. Sie ist das Objekt seines jüngsten kulturellen Identitätsdiebstahls zwischen den Welten und den Geschlechtern.
An den folgenden Abenden spielt Branch Nebula in ihrer Tanzperformance mit dem Machtverhältnis zwischen Bedienenden und Bedienten. Während Dave St. Pierre die Grenzen von Öffentlichkeit und Privatheit durch seine explizite Körperlichkeit ausreizt, zeigt Daniel Kok eine auf die Publikumserwartungen maßgeschneiderte Choreographie. Dick Wong hingegen zeigt die Performance als beinahe schizophrenen Prozess zweier sich ständig voneinander entfernden und sich wieder annähernden Teile einer Persönlichkeit, während der Choreograf Ivo Dimchev sich in einem work-in-progress-Projekt mit Objekten des bildenden Künstlers Franz West auseinandersetzt.
Wichtiger Teil des Programms ist das Publikumsprojekt Building an Audience, das unter der Leitung des belgischen Schauspielers und Regisseurs Ruud Gielens für junge Berliner eine Plattform der Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern schafft.
Am langen Samstag von IN TRANSIT 11, der mittags mit Geschichte(n) der Schüchternheit und Macht-Verhältnissen im Theater beginnt und weit nach Mitternacht als Künstlerfest endet, fächern sich noch einmal alle Facetten des Festivalthemas Spectator auf: Dabei sein wird die Pole Dance-Lehrerin Eisa Jocson, das Trio Bulut/Gabia/Baroncea mit einer Aktivperformance, Song-Ming-Ang, zur Zeit Stipendiat im Künstlerhaus Bethanien, mit schelmischen Guilty pleasures, Geumhyung Jeong mit ihrem Oil Pressure Vibrator und Yann Marussich mit einer Maschine, die die Zuschauer auf die Probe stellt und an legendäre Performances von Chris Burden, Wolfgang Flatz oder Marina Abramovic anschließt.
Serviceinfo
Termin: 15.06. – 18.06.2011
Ort: Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin Stadtplan >>
Preis: Einzelticket 10 € / 8 €, Tagesticket 25 € / 20 €, Festivalpass 60 € / 45 €
Programm unter www.hkw.de
Foto: © Yvonne Chan