DER ZERBROCHNE KRUG: Ein Lustspiel von Heinrich von Kleist
In Huisum bei Utrecht ist ein Krug in die Brüche gegangen. Für Frau Marthe Rull scheint alles klar: bei einem heimlichen nächtlichen Besuch in der Kammer ihrer Tochter Eve hat deren Bräutigam Ruprecht einen wertvollen Krug zerbrochen. Gleich am nächsten Morgen erscheint sie mit den Beteiligten und dem Indiz vor Gericht, wo der Dorfrichter Adam kurzen Prozess machen soll. Doch: Woher stammen Adams Verletzungen? Wo ist seine Perücke, Zeichen seines Amtes? Wer war der unerkannte Rivale, den Ruprecht bei Eve überrascht hat? Warum schweigt sie? Und, was zum Teufel, hat Frau Brigitte wirklich gesehen? Der Schreiber Licht wartet auf seine grosse Chance, Gerichtsrat Walter, der auf seiner Inspektionsreise ausgerechnet in den Gerichtstag gerät, versucht, den drohenden Zerfall aufzuhalten und der Richter ist auf der Jagd nach sich selbst.
Die Inszenierung von Kleists zerbrochnen Krug durch Jan Bosse, die nun für das Maxim Gorki Theater adaptiert wird, entstand 2006 am Schauspielhaus Zürich. Aus der damaligen Produktion sind Edgar Selge, Jean-Pierre Cornu und Franziska Walser wieder dabei. Hinzu kommen Britta Hammelstein, Cristin König, Wolfgang Hosfeld, Ronald Kukulies und Matti Krause aus dem Ensemble des Maxim Gorki Theaters. Der Motor in dieser Komödie ist ein grotesker Humor, mit dem die Ereignisse während der Gerichtsverhandlung immer weiter überdreht werden, immer komplexer und absurder wird diese Geschichte um den zerbrochnen Krug. Kleist scheint ein sadistisches Vergnügen daran gehabt zu haben, die Verwicklungen des „Falls“ und dessen Aufklärung, bzw. Verschleierung detailliert in Echtzeit zu rekonstruieren. Und nicht um seine Lösung geht es dabei – nicht um „whodunit“, sondern um all die Schichten und Abgründe, die sich während der Verhandlung auftun. In diesem scheinbar so harmlosen „Lustspiel“ scheint durch die Oberfläche in der Tiefe ein komplexes Gewebe.
Es spielen: Edgar Selge (Adam, Dorfrichter), Jean-Pierre Cornu (Walter, Gerichtsrat), Ronald Kukulies (Licht, Schreiber), Franziska Walser (Frau Marthe Rull), Britta Hammelstein (Eve, ihre Tochter), Wolfgang Hosfeld (Veit Tümpel, ein Bauer), Matti Krause (Ruprecht, sein Sohn), Cristin König (Frau Brigitte)
Regie: Jan Bosse
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Kathrin Plath
Dramaturgie: Gabriella Bußacker
Serviceinfo
Termine: So 13.03., Di 22.03., Di 19.04., Sa 30.04. und So 01.05.2011 jeweils 19:30 Uhr
Ort: MAXIM GORKI THEATER, Am Festungsgraben 2, 10117 Berlin Stadtplan >>
Preise: 10 – 32 Euro; Schüler, Studenten, Auszubildende, Arbeitslose, Wehr- und Zivildienstleistende 9 €
Karten: 030/ 20221-115
Foto: Edgar Selge, Franziska Walser – Der zerbrochne Krug (c) Bettina Stöß