Experten-Treff gegen brennende Kurven – Zweifel am Einsatz von Gesichtsscannern vor Stadien
Am Mittwoch fand in Berlin eine öffentliche Anhörung des Sportausschusses zum Thema „Gewalt in und um Fußballstadien“ statt. Einigkeit herrschte in einem Punkt: „Der Dialog zwischen Verbänden, Vereinen, Sicherheitskräften und Fans muss intensiviert werden.“
Treffsicher zum bevorstehenden Spiel Union Berlin gegen Dresden, trafen sich Experten von Verbänden und Vereinen, um ihre Meinungen zum Thema: „Gewalt im Fußball“ auszutauschen.
Einige verwiesen auf die Bedeutung von Fanprojekten als „Brückenbauer“ und forderten eine besser finanzielle Ausstattung der Projekte. Andere plädierten für einen „Fankodex“.
Der stellvertretende Vorsitzende der DFL, Holger Hieronymus, sprach sich derweil dafür aus, die Begriffe Gewalt, Fans und Fußball nicht in einen Topf zu werfen. KOS-Leiter, Michael Gabriel, wandte sich gegen „Law and Order-Maßnahmen“, wie den Einsatz von Gesichtsscannern und die Brandmarkung von Rädelsführern. Seiner Meinung nach könnte dies zu einem Zusammenschluss und einer Radikalisierung der gesamten Fanszene führen. Auch DFL-Vize Hieronymus sieht den Einsatz von Gesichtsscannern vor den Stadien mit Skepsis. Die technische Umsetzung wäre derzeit sowieso nicht machbar.
Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei sagte, man müsse sich damit auseinandersetzen, „dass es Menschen mit Freude an der Gewalt gibt“. Er setzt deshalb auf harte Stadionverbote. Scharf verurteilte er den Einsatz von Pyrotechnik in Stadien: „Dieser berge zu viele Gefahren in sich. Der Verzicht darauf müsse der Beitrag der Ultras im Kampf gegen die Gewalt sein.“
Gegen Stadionverbote sprach sich dagegen der Fanvertreter Praße aus. Seiner Meinung nach würden diese „noch immer ohne eine Anhörung der Betroffenen verhängt.“ Sie verlagern die Gewalt demnach lediglich aus den Stadien in den öffentlichen Raum. Pyrotechnik will er jedoch nicht verbannen, weil diese auch gewaltfrei abgebrannt werden kann.
Der Präsident von Dynamo Dresden, Andreas Ritter, sprach sich gegen eine „Exempelstatuierung“ aus. Er kritisierte, dass mit der gegen seinen Verein ausgesprochenen DFB-Pokal-Sperre auch normale Fans betroffen sein würden. Dies könne zu einer Verbindung mit den Gewaltanwendern führen.